Über den Stadtbenutzer

Ich will mit einer gekürzten Version meines ersten Eintrags in diesem Blog („Stadtbenutzers Rückkehr“ vom 1. September 2013) beginnen:

Ich bin ein Stadtbenutzer.

Weil ich die meisten meiner täglichen Wege (seit dem Winter 2012/13) bei Wind und Wetter und praktisch allen möglichen Straßenverhältnissen mit dem Fahrrad erledige neigen die Menschen dazu, mich als Radfahrer wahrzunehmen.

Neuderdings verwenden die Medien gerne den unsäglichen Begriff „Pedalritter”.

Zugegeben: ich habe erst mit dieser regelmäßigen Radfahrerei damit begonnen, mich für urbanen Verkehr und, weiter gefasst, für urbanes Leben, zu interessieren. Nichts desto trotz wird dieser Blog kein „Bicycle Advocacy” Blog. Es wird ganz sicher (auch) um Radfahrangelegenheiten gehen, ich möchte mich aber nicht (nur) als Rad-Blogger verstehen – genauso wenig, wie ich meine Stadtbenutzung auf die eines Radfahrers beschränken will.

Meine Stadtbenutzung ist in Wirklichkeit umfassend: ich wohne (etwa 400 Meter vom Rathaus entfernt, aber außerhalb der Ringstraße); ich gehe zu Fuß; ich nutze die Wiener Linien. Ich besitze ein Auto, parke es mit Parkpickerl ausgestattet im öffentlichen Raum und fahre damit (wie oft und wie gerne wird wahrscheinlich auch in kommenden Posts besprochen werden).

In all diesen Eigenschaften, als Beobachter aus all diesen Standpunkten – und als Studienobjekt in all diesen Situationen – werde ich in diesen Blog verfassen und verwalten.

Ortskundige und Nachbarn haben zu diesem Zeitpunkt bereits gemerkt, dass ich von Wien, der Hauptstadt von Österreich aus blogge. Vielleicht hätte ich das erwähnen sollen, bevor ich mit lokalkolorierten Fachbegriffen wie „Parkpickerl” um mich geworfen habe[…]


Ein Großteil der hier besprochenen Themen wird deshalb wohl konkret Wien-spezifisch sein, manche haben möglicherweise auch in anderen Städten ihre Relevanz – und ein, zweimal im Jahr ist es mir manchmal vergönnt, einen Blick über den Tellerrand (in Gestalt der Wiener Außenring-Autobahn) zu werfen und so vielleicht Beobachtungen aus anderen Teilen der Welt mit einzubeziehen.

Dies ist kein Aktivismus-Blog. Genauso wenig habe ich selbst oder diese Publikation einen parteipolitischen Hintergrund (dem Leser wird schnell klar werden, in welche Richtung ich politisch tendiere, ich möchte es allerdings vermeiden mit irgendeiner Partei assoziiert zu werden). Generell sind die Ideen in diesem Blog nicht (wirklich) politisch zu verstehen – soll heißen, dass sie keineswegs auf Mehrheitsfähigkeiten, Klientelbedürfnisse oder (Gott behüte!) auch nur die grundlegendsten Richtlinien politischer Kommunikation Rücksicht nehmen. Durch die Frage, ob und wie sich Dinge in der politischen Welt oder dem undurchschaubaren Ökosystem der Stadt- und Bezirksregierungen durchsetzen lassen, möchte ich mich lieber nicht von potenziell (hoffentlich) wichtigeren Gedankengängen abhalten lassen.

Die fachliche Legitimation zum Betrieb dieses Blogs entnehme ich meiner langjährigen Erfahrung als Stadtbenutzer, ich sollte allerdings darauf hinweisen, dass ich keinerlei akademische Befähigung zum Umgang mit diesem Thema führe. Alles, was ich je dazu gelesen habe las ich zu meiner persönlichen Belustigung in meiner Freizeit und niemals legte ich eine Prüfung darüber ab – meine Prüfung ist die Benutzung der Stadt selbst.

Das Konterfei des Stadtbenutzers vor der grünen Ampel entstammt der Zeichnung der Spießbürger von Carl Spitzweg

Ich selbst werde hier meist unter dem Namen „Stadtbenutzer“ auftreten. Meine Identität ist allerdings kein Geheimnis; ich heiße Roland Peschetz. Googeln sie mich ruhig (aber beurteilen sie mich um Himmels Willen nicht danach, auf welchen Webseiten meine Creative Commons-lizensierten Fotos so auftauchen).

Ausserdem erreichen sie mich per Mail unter rpeschetz@stadtbenutzer.at
oder auf twitter unter @rpeschetz